📸 Kenia Safari – Wo ist der Unterschied zwischen Breit- und Spitzmaulnashörnern?

Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum)

Das Breitmaulnashorn ist die größte noch lebende Nashornart der Erde und kann ein Gewicht von bis zu 2.500 Kilogramm erreichen. Anders als sein Name vermuten lässt, beschreibt "Breitmaul" nicht die Größe des Mauls, sondern die breite, gerade Oberlippe, die perfekt an das Grasen angepasst ist.

Fakten:

  • Größte Nashornart der Welt

  • Reiner Grasfresser

  • Leben häufig in kleinen Gruppen

  • Können Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h erreichen

  • In Solio sind sie besonders häufig zu beobachten, oft sogar in größeren Herden.

Die südlichen Breitmaulnashörner gelten heute als "potenziell gefährdet". Ihr Bestand konnte sich durch intensive Schutzmaßnahmen deutlich erholen, dennoch bleibt Wilderei aufgrund der hohen Nachfrage nach Nashornhorn eine der größten Bedrohungen.

Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis)

Das Spitzmaulnashorn unterscheidet sich deutlich von seinem größeren Verwandten. Seine spitze, hakenförmige Oberlippe ist perfekt angepasst, um Blätter, Zweige und junge Triebe von Büschen und Bäumen abzuzupfen.

Fakten:

  • Deutlich kleiner und leichter als das Breitmaulnashorn

  • Ernährt sich hauptsächlich von Blättern und Sträuchern

  • Einzelgänger und wesentlich territorialer

  • Besitzt ein ausgeprägtes Gehör und einen hervorragenden Geruchssinn

  • Trotz ihres schlechten Sehvermögens können sie bei Gefahr ĂĽberraschend schnell angreifen.

Das Spitzmaulnashorn zählt zu den am stärksten bedrohten Großsäugern Afrikas. In den 1970er- und 1980er-Jahren brach der Bestand durch massive Wilderei dramatisch ein. Solio spielte eine entscheidende Rolle dabei, diese Art vor dem Aussterben zu bewahren und gilt bis heute als eine der wichtigsten Zuchtpopulationen Ostafrikas.

Warum heißen Breitmaul- und Spitzmaulnashörner auf Englisch White Rhino und Black Rhino?

Wer zum ersten Mal von White Rhino und Black Rhino hört, erwartet zwei unterschiedlich gefärbte Nashornarten. Tatsächlich sind jedoch sowohl das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) als auch das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) überwiegend grau. Die englischen Namen beziehen sich daher nicht auf ihre Hautfarbe.

Die Bezeichnung White Rhino geht vermutlich auf das niederländische beziehungsweise Afrikaans-Wort „wijd“ zurück, das „breit“ bedeutet. Gemeint war die charakteristische breite, gerade Oberlippe des Breitmaulnashorns, mit der es Gräser effizient abweidet. Historiker gehen davon aus, dass englischsprachige Siedler das Wort als „white“ verstanden und sich dieser Name schließlich durchsetzte. Ein eindeutiger historischer Beleg dafür existiert zwar nicht, die Erklärung gilt jedoch als die wahrscheinlichste Herkunft des Namens.

Das Black Rhino erhielt seinen Namen vermutlich erst später als Gegenstück zum bereits etablierten „White Rhino“. Mit der Hautfarbe hat auch diese Bezeichnung nichts zu tun. Stattdessen unterscheidet sich das Spitzmaulnashorn vor allem durch seine spitze, greiffähige Oberlippe, mit der es Blätter, Zweige und junge Triebe von Bäumen und Sträuchern abpflückt.

Der eigentliche Unterschied liegt in der Ernährung

Die Lippenform verrät bereits die Lebensweise der beiden Arten:

  • Breitmaulnashorn (White Rhino): Breite, gerade Oberlippe – spezialisiert auf das Grasen in offenen Savannen.

  • Spitzmaulnashorn (Black Rhino): Spitze, bewegliche Oberlippe – angepasst an das Abweiden von Sträuchern und Bäumen.

Auch ihr Verhalten unterscheidet sich deutlich. Breitmaulnashörner leben häufig in lockeren Gruppen und sind vergleichsweise tolerant gegenüber Artgenossen. Spitzmaulnashörner hingegen sind überwiegend Einzelgänger und verteidigen ihr Revier deutlich konsequenter.

Für Naturfotografen ist die Lippenform deshalb das zuverlässigste Erkennungsmerkmal. Bereits aus größerer Entfernung lässt sich meist erkennen, ob ein Nashorn friedlich Gras frisst oder gezielt Blätter und Zweige von Büschen abpflückt – lange bevor andere Unterschiede sichtbar werden.

Die englischen Namen mögen also irreführend sein, erzählen aber ein spannendes Stück Sprachgeschichte. Gleichzeitig erinnern sie daran, dass die wirklichen Unterschiede zwischen den beiden afrikanischen Nashornarten nicht in ihrer Farbe, sondern in ihrer Evolution, ihrer Ökologie und ihrer einzigartigen Anpassung an unterschiedliche Lebensräume liegen.

Ein Paradies fĂĽr Wildlife-Fotografen

Für Naturfotografen gehört Solio zu den besten Orten Afrikas, um Nashörner zu fotografieren. Die offene Savannenlandschaft ermöglicht außergewöhnlich freie Sicht auf die Tiere, während im Hintergrund häufig die schneebedeckten Gipfel des Mount Kenya oder die Aberdare-Berge zu sehen sind. Begegnungen mit mehreren Breitmaul- und Spitzmaulnashörnern innerhalb einer Pirschfahrt sind hier keine Seltenheit – ein Erlebnis, das selbst in vielen berühmten Nationalparks Afrikas kaum möglich ist.

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